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Zu früh abgeschlossene Lehrverträge sind kontraproduktiv

Fairplay war einmal: Das Gerangel um die Lehrstellenbesetzung ist gross, die Lehrverträge werden immer früher abgeschlossen. Dabei unterschätzen viele Lehrbetriebe die Schattenseiten dieser vorschnellen Rekrutierung.

Der einst festgelegte Stichtag vom 1. November für die Vergabe der Lehrstellen ist zur Makulatur geworden. Viele Lehrbetriebe vergeben ihre Lehrstellen ein ganzes Jahr vor Schulabschluss und so haben sehr viele Schulabgänger/innen ihre Zukunft dann bereits besiegelt. Das bringt jene Jugendlichen, die noch keine Lehrstelle haben, enorm unter Druck.
Kommt hinzu, dass durch die viel zu früh abgeschlossenen Lehrverträge viele Lehrstellen offenbleiben. Entsprechend haben es jene Lehrbetriebe schwer, noch Lernende zu finden. Auch die Rheintaler Initiative «Credo Fairplay», die 2014 festlegte, keine Verträge vor dem 1. September des 3. Oberstufenschuljahres abzuschliessen, bröckelte. Es sei nicht gelungen, eine grosse Mehrheit der Firmen für die Fairplay-Verpflichtung zu gewinnen Und so wandelte der Arbeitgeberverband Rheintal das Credo in eine Empfehlung um.

Was die Lehrbetriebe dabei unterschätzen: Müssen sich Jugendliche schon im 2. Oberstufenjahr für einen Beruf entscheiden, sind sie gerade mal 14 Jahre alt. Das ist von ihrem Reifeprozess her viel zu früh. Viele Jugendliche machen erfahrungsgemäss erst im letzten Schuljahr «de Chnopf uf». Entsprechend geraten sie unter Zugzwang und treffen eine Entscheidung, für die sie noch gar nicht bereit sind. Manchmal haben Jugendliche auch falsche Vorstellungen von ihrem Wunschberuf. Deren Fehleinschätzung oder Unreife erhöhen das Risiko, dass sie später die Lehre abbrechen. Und das passiert aktuell mehr als auch schon.

Wir vom Verein Triebwerk legen den Lehrbetrieben daher nahe, den Schulabgängern die nötige Zeit zu lassen und Lehrverträge erst im letzten Schuljahr abzuschliessen. Das hilft den Jugendlichen und erhöht die Chance, dass die Lehrzeit erfolgreich absolviert werden kann.

3 thoughts on “Zu früh abgeschlossene Lehrverträge sind kontraproduktiv”

  1. Wir haben in Zürich schon vor zwei Monaten Infos bekommen, dass Lehrstellen für 2020 (!!!!!) besetzt sind. Schnuppertage sind zum Teil gar nicht zu bekommen oder sind innert Kürze ausgebucht. Ich erlebe gerade direkt, dass der Druch enorm ist ind die Kids echt am Verzweifeln sind. Es ist – für die meisten – in der 2. Sek zu früh und zu viel. Die müssen schon zum Schnuppern Bewerbungsmappen vorlegen wie für Managerposten. Es ist einfach nur bescheuert. Mutter einer 14jährigen Sek A Schülerin.

  2. Dass jeder Gas geben will sobald es um die Lehrstelle geht ist ja klar. Und ja sie sind noch sehr jung. Auch unsere Tochter startet mit 15 Jahren und 6 Wochen Ihre Ausbildung. Das kommt davon, dass die Kleinen ab 4 Jahren bereits in den Kindergarten müssen. Gönnt ihnen doch im Kleinkindalter ein Jahr mehr, dann sind sie in der Oberstufe auch ein Jahr älter…. die Firmen kann man nicht zwingen Fristen einzuhalten. Und alle Jugendlichen die wissen was sie werden möchten, wollen die Lehrstelle nun mal so schnell wie möglich. Und wenns passt und gefällt sagt man ja auch nicht Nein zur Stelle. Und ganz ehrlich- wir Eltern sind auch erleichtert sobald alles unter Dach und Fach ist!

  3. Ich habe sie im ersten monat der 3. sek erhalten. Für mich stand der beruf seit der 5. klasse fest ( habe aber keine verwandten im selben beruf) für mich war es endlich! So konnte ich das letzt schuljahr entspannter geniessen! Keine doppelbelastung mit schnuppern etc. ich bin jetzt seit 12 jahren ausgelernt im beruf tätig und immer noch glücklich mit der berufswahl. Vielleicht müssen die kinder auch mal lernen sich zu entscheiden und nicht alles hinauszuschieben? Und es ist ja auch nicht tragisch, wenn nach der lehre eine andere richtung eingeschlagen wird! Habe auch noch weiterbildung in einer anderen branche gemacht, um den horizont zu erweitern.

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