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Wie man Lernende heute führt

Für die Führung von Lernenden gibt es keine Patentrezepte. Doch es müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit es zwischen den jungen Menschen und den Führungskräften funktioniert. Hier erfahren Sie, welche.

Die Lernenden sind in dieser Lebensphase auf der Suche nach sich selbst. Sie müssen lernen, ihre Unabhängigkeit zu erlangen, zeitgleich konfrontiert sie die Arbeitswelt mit der Forderung nach Anpassung. Ein Spannungsfeld zwischen betrieblichen Zielvorgaben und den Bedürfnissen der Jugend. Für Berufs- und Praxisbildner/innen ist es wichtig, während der Lehrzeit unterschiedliche oder sogar gegensätzliche Erwartungen und Einflüsse auf ein übergeordnetes Ziel hin auszutarieren. Das benötigt Erfahrung, eine fundierte Ausbildung, Empathie und zuweilen auch Geduld.

Erfolgsversprechend ist die respektvolle Begegnung auf Augenhöhe. Die Jugendlichen wollen einerseits Orientierung, aber auch eine Herausforderung während der Ausbildung. Sie schätzen authentische Führungskräfte, die halten, was sie versprechen und die sich für sie und ihre Welt interessieren. Das fordert einen Perspektivenwechsel: Berufs- und Praxisbildner/innen müssen die Offenheit und Neugier mitbringen, immer wieder in neue Welten einzutauchen, diese verstehen zu wollen und permanent dazuzulernen. Es muss Führungskräften also am Herzen liegen, sich in dieser komplexen Rolle ständig weiter zu qualifizieren. Kommunikative Kompetenzen, Methodenkenntnisse 4.0 und ständige Reflexion der eigenen Rolle sind unabdingbar. Das Erklären-Vorzeigen-Nachmachen-Schema ist nur noch sehr begrenzt tauglich. Handlungsorientiertes Lernen fördert Eigenständigkeit und Selbstverantwortung. Lernende müssen sinnvoll in den betrieblichen Alltag eingebunden werden, indem man ihnen verantwortungsvolle Arbeiten überträgt, ihnen etwas zutraut und ihnen auch vertraut. Das ist Nachwuchsentwicklung im eigentlichen Sinne.

Gute Fragen für Berufs- und Praxisbildner/innen sind zum Beispiel: «Ermögliche ich den Lernenden ein eigenverantwortliches Handeln oder gebe ich immer noch zu stark vor?» «Stelle ich Fragen oder liefere ich fixfertige Antworten zu Aufträgen?» «Höre ich zu?» «Akzeptiere ich, wenn die Lernenden anders an eine Aufgabe herangehen als ich das täte?»
Jede/r Berufs- und Praxisbildner/in tut gut daran, immer Lernende/r zu bleiben und nicht aufzuhören, Fragen zu stellen. Sie werden überrascht sein, welche kompetenten Persönlichkeiten Antworten geben.

Zur Autorin:
Vera Class ist Inhaberin der Firma heartwork.ch und führt als Berufsbildungsexpertin Seminare für Berufs- und Praxisbildner/innen durch. Sie leitet die nationale Fachgruppe «Wir Berufs- und Praxisbildner/innen wbp» (kfmv.ch/wbp). Ihre Ausbildungen: MAS in Wirtschaftspsychologie FHNW und eidg. dipl. Kommunikationsleiterin.

Seminar- und Eventempfehlungen:

28.08.19 Die Verantwortung für das Lernen gehört den Lernenden – unsere Rolle als Lernbegleiter
05.11.19 Führung von Lernenden – Adoleszenz, Rollen und Grenzen
03.12.19 Führung von Lernenden – Einführung und Lernbegleitung

Weitere Infos & Anmeldung: www.kfmv.ch

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