Verein Triebwerk Lernende mit Berufsbilder bei der Arbeit

Talent wichtiger als Noten

Beim Technologiekonzern Bühler in Uzwil werden derzeit 600 Lernende weltweit (davon 292 in der Schweiz) ausgebildet. Unter folgendem Credo: «Wir stärken Menschen dort, wo sie besser sind als Maschinen.» Dabei spielen Zeugnisse und Noten eine marginale Rolle, vielmehr wird auf Talent, Potenzial und den Willen gesetzt.

Die Digitalisierung und Automatisierung fordert insbesondere bei technischen Berufen ein Umdenken und hohe Anpassungsfähigkeit. Unser Umdenken sieht wie folgt aus: Wir bewegen uns weg vom Spezialistentum und fördern Allrounderfähigkeiten, die die Arbeitsmarktfähigkeit um ein x-faches erhöhen. Ein Automatiklernender zum Beispiel geht in unserem Technologiekonzern nach fünf Monaten Grundausbildung je zwei Monate in die Konstruktion, in die Mechanik und in den Anlagenbau. Zudem bieten wir einem Teil der Lernenden eine Projektmanagement-Ausbildung an. Auch Führungsqualitäten und Kompetenzen in der Kommunikation werden in Zukunft wichtiger. Darüber hinaus haben jährlich rund 20 Lernende die Möglichkeit, bis zu sechs Monaten an einem Bühler Standort im Ausland zu arbeiten.

Menschliche Ebene wichtiger als Zeugnis
Als Berufsbildner von derzeit 600 Lernenden lege ich grossen Wert darauf, dass wir die jungen Menschen dort stärken, wo sie nicht durch Maschinen ersetzt werden können oder besser sind als diese, nämlich auf der zwischenmenschlichen Ebene und in der Kommunikation. Deshalb achten wir bei der Auswahl der Lernenden vor allem auf die menschliche Ebene und prüfen, ob Motivation, Teamfähigkeit und Reife stimmen. Aus diesem Grund möchten wir im Vorfeld auch nichts über unsere Schnupperlernenden wissen. So können bei uns alle, die Interesse haben, eine Schnupperlehre absolvieren. Da wir ihre Zeugnisse im Vorfeld nicht anschauen, wissen wir nicht, ob die Jugendlichen aus der Sekundarschule oder einer Kleinklasse kommen. Wir sind völlig unvoreingenommen und gelangen durch diese Art der Selektion jedes Jahr an sehr interessante Bewerber/innen, denen in einer Berufsberatung aufgrund ihrer schulischen Leistung garantiert von der entsprechenden Lehre abgeraten worden wäre. Fehlen nach der Selektion noch wichtige sprachliche oder mathematische Kompetenzen, bauen wir das vor Beginn der Lehre gemeinsam mit der Oberstufen Lehrperson auf.

Fokus auf Talent, Potenzial und den Willen
Das wird viele überraschen, aber wir machen mit diesem Weg sehr gute Erfahrungen. Lernende mit einer schwierigen schulischen Vorgeschichte können sich zu sehr guten Fachkräften und motivierten, dankbaren Mitarbeitenden entwickeln, wenn man ihnen vorurteilslos begegnet und sich auf ihr Talent, Potenzial sowie ihren Willen fokussiert. Das setzt natürlich voraus, dass der Berufsbildner/in keine Vorurteile gegenüber anderen Denkmustern und Kulturen hegt. Einer unserer Lernenden kommt zum Beispiel aus einem RAV-Programm und erbringt tolle Leistungen. Diese Form der Selektion ist unumstritten mit einem riesigen Aufwand verbunden, weil wir für 75 Lehrstellen rund 400 Schnupperlernende einladen. Doch so haben wir auch bei geburtenschwächeren Jahrgängen keine Mühe, gute Menschen zu rekrutieren. Und diese guten Leute braucht unsere Wirtschaft.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.