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Jugendlichen mit Humor und Lockerheit begegnen

Die Berufsbesichtigungen sind keine Garantie für interessierte SchülerInnen, aber eine hervorragende Chance, ihr Interesse zu wecken. Wenn man ein paar Aspekte beherzigt.

Eine Berufsbesichtigung ist grundsätzlich ein Ereignis, auf das sich OberstufenschülerInnen freuen. Es bedeutet, der Unterricht findet nicht im üblichen Rahmen und ausserhalb des Klassenzimmers statt. Zudem hat man auf dem Weg zur Berufsbesichtigung ein bisschen Zeit, um miteinander zu plaudern. Die positiven Aspekte überwiegen und man könnte meinen, man hat als Berufsbildner die besten Voraussetzungen, die Jugendlichen von sich, dem Beruf und dem Betrieb zu überzeugen. Man opfert seine Zeit und erwartet von den Jugendlichen, dass sie motiviert sind, interessiert zuhören und im Anschluss anregende Fragen stellen. Ist das Gegenteil der Fall, ist die Enttäuschung gross.

Die Herausforderung ist, nicht darauf zu warten, bis sich der oder die Einzelne interessiert, sondern eine anregende Umwelt zu schaffen, die die SchülerInnen als lebendig und wertvoll ansehen. In Fall der Berufsbesichtigung ist es der Berufsbildner selbst, der sich vor eine Klasse stellt. Der Erfolg steht und fällt mit ihm. Jugendliche sind kritische Beobachter. Sie nehmen das Gegenüber gründlich unter die Lupe und entscheiden in wenigen Sekunden, genau wie die Erwachsenen auch, ob ihnen jemand sympathisch ist oder nicht und ob es sich aus ihrer Sicht lohnt, zuzuhören oder nicht. Die Jugendlichen von heute sind in vielerlei Hinsicht selbstbewusster als noch die Generation vor ihnen und sie wissen oft sehr genau, was sie nicht wollen. Der Berufsbildner muss sich und seine Tätigkeit glaubwürdig verkaufen. Und ganz wichtig: Die Welt der Jugendlichen darf einem nicht fremd sein. Man tut gut daran zu wissen, welche Bands gerade gehört und welche Sneakers getragen werden. Noch besser, wenn man selbst coole Sneakers (On’s sind nicht cool!) trägt – natürlich im Einklang mit der eigenen Person. Dies mag ein sehr oberflächlicher Tipp sein und wenn man keine Freude an trendigen Sneakers hat, diese auch nicht zum Rest des Stylings passen, dann hilft er kaum. Ganz abgesehen von gewissen Sicherheits- oder Kleidervorschriften, die in manchen Berufen eingehalten werden müssen.

Aber vielen Jugendlichen ist es sehr wichtig, wie ihr Gegenüber daherkommt. Sie achten auf die Erscheinung von Erwachsenen und man tut gut daran, gepflegt aufzutreten. Eine Berufsbesichtigung ist eine kurze Begegnung – der erste Eindruck zählt und ist entscheidend. Ein weiterer Aspekt ist Humor, ein herzliches Lachen, ein lockeres, unverkrampftes und sicheres Auftreten. Wenn ich als Berufsbildner diese Qualitäten mitbringe, hat man viel erreicht, dann kann man den Schülerinnen und Schülern im Grunde genommen alles erzählen. Wenn zwischendurch gelacht wird und sich die oft steife Miene der Jugendlichen etwas lockert, dann hat man schon gewonnen.

Man darf sich von den reglosen Gesichtern aber nicht irritieren lassen. OberstufenschülerInnen sind ein anspruchsvolles Publikum. Zu Beginn ihrer Schulzeit sind die «Kinder» noch extrem wissbegierig, diese Eigenschaft nimmt mit zunehmendem Alter ab, da viele nicht mehr intrinsisch motiviert sind, sondern extrinsisch und auf das Erreichen guter Noten konzentriert sind. Sie stehen unter Leistungsdruck und der Spass am Lernen geht verloren. Dieses Schema können die Jugendlichen während einer Berufsbesichtigung nicht einfach ablegen – sie sind darin gefangen. Dazu kommt, dass sie aus sehr vielen Lehrberufen zwei Berufe auswählen müssen. Diese Entscheidung ist nicht leicht, zumal viele SchülerInnen zu jenem Zeitpunkt noch nicht wissen, welches ihr Traumberuf ist. Entsprechend «melden sie sich einfach mal an». Es ist keine leichte Aufgabe, die Jugendlichen für ein paar Stunden aus diesem Dilemma herauszuholen. Deshalb darf man die Erwartungen an eine Berufsbesichtigung nicht zu hochschrauben. Aber es ist mit Sicherheit eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen und das Interesse für den Lehrberuf zu wecken. Man muss sich seiner Sache einfach sicher sein und Freude daran haben, was man tut. Dann kann der Funke auch bei den Jugendlichen überspringen.

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