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Interesse ist Entscheidungskriterium Nr. 1

Erziehungswissenschaftler Markus P. Neuenschwander hat Schüler/innen der 9. Klasse befragt, nach welchen Kriterien sie ihren Lehrberuf auswählen. Soviel vorweg: Am wichtigsten ist ihnen ihr eigenes Interesse – und nicht der Lohn oder Prestige.

Eltern und Lehrpersonen sind wichtige Bezugspersonen bei der Berufswahl. Entscheiden sollten die Schülerin und der Schüler letztlich selbst. Aber nach welchen Kriterien wählen sie ihren Beruf aus? Dieser Frage ging Markus P. Neuenschwander nach, er ist Erziehungswissenschafter und leitet das Zentrum Lernen und Sozialisation an der Pädagogischen Hochschule an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Zugleich analysierte er die Perspektive der Berufsbildenden, was ihnen bei der Vergabe einer Lehrstelle wichtig ist.

Neuenschwander stellte bei der Untersuchung fest, dass Jugendliche den Lehrberuf am häufigsten aufgrund ihrer Interessen auswählen, unter Einbezug der Meinungen von Eltern, Gleichaltrigen und Lehrpersonen. Dabei spielen laut Befragungen vor allem diese Merkmale eine wichtige Rolle: Arbeitsinhalte, Arbeitszeiten, Aufstiegsmöglichkeiten, Lohn, Chancen im Arbeitsmarkt. Interessant ist: Das Prestige eines Berufes spielt nur eine untergeordnete Rolle. Anders ist das bei den Eltern, sie legen darauf mehr Wert.

Auch Personalverantwortliche und Berufsbildende wurden befragt. Sie entscheiden nach den Kriterien Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Pünktlichkeit. Weniger wichtig sind ihnen Organisationstalent, die äussere Erscheinung oder Durchsetzungsvermögen. Letzteres, wie die Befragten beobachten, scheint bei den Bewerbenden auch weniger stark ausgeprägt zu sein. Genauso Selbständigkeit, Sauberkeit und Sorgfalt oder Fleiss und Anpassungsfähigkeit. Die statistischen Analysen zeigten zudem: Je grösser der Aufwand ist, den Jugendliche in ihrem Berufswahlprozess betreiben, desto eher wählen sie eine qualifizierte Anschlusslösung, die gleichwohl ihrer Wunschlösung entspricht und zu einem Erleben von persönlicher Kontinuität führt.

Quelle: Neuenschwander, M.P. (2014). Übergang in die Berufsausbildung zwischen Wahl und Selektion. In A. Ryter & D. Schaffner (Eds.). Wer hilft mir, was zu werden?
Professionelles Handeln in der Berufsintegration (pp. 67-80). Bern: hep.

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