verein_triebwerk_blog_lehrstellenmarketing_jeder_beruf_ist_ein_maenner_und_frauenberuf

Heute ist jeder Beruf ein Männer- UND Frauenberuf – Theoretisch

Wurden Sie in der Bäckerei schon mal von einem Detailhandelsfachmann bedient? Oder hatten Sie schon mal eine Elektroinstallateurin im Haus? Wenn nicht, erstaunt das kaum.

Es gibt sie noch immer, die typischen Frauen- und Männerberufe. In einer Zeit, in der sich der Mann schminkt, die Frau die Heizung repariert und sich das traditionelle Geschlechterverständnis wandelt, mag das doch sehr erstaunen. Doch Mädchen und Jungs bevorzugen unterschiedliche Berufe. Daran hat sich auch in den letzten Jahren kaum etwas geändert. Das belegt eine aktuelle Statistik des Bundesamtes zur beruflichen Grundbildung. Um nur einige Beispiele zu nennen: Polymechaniker/in EFZ 96% Männer, Elektroinstallateur/in EFZ 98% Männer, Fachmann/-frau Gesundheit EFZ 86% Frauen, Fachmann/-frau Betreuung EFZ 80% Frauen.

Gewiss, offensichtliche körperliche Anforderungen können in einigen Berufen der Grund für die geschlechtstypische Auswahl sein, erklären aber nicht den hohen Männeranteil bei den Informatikern oder Zeichnern oder die weibliche Mehrheit in der Gesundheitspflege und Kinderbetreuung. Die Gründe sind komplexer: Jugendliche, die vor der Berufswahl stehen, befinden sich mitten in der Pubertät und somit auch in der Findung ihrer persönlichen Identität. Hinzu kommt das Geschlechterbild, das in der Familie oder im Umfeld vermittelt respektive gelebt wird. Beides zusammen trägt zum Entscheid bei. Eine wichtige Rolle spielen auch der Lohn und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Viele typische Frauenberufe – gerade im sozialen Bereich – bieten da oft nicht ideale Voraussetzungen. Auch für Lehrbetriebe kann es eine Herausforderung sein, junge Frauen in typischen Männerberufen oder umgekehrt auszubilden, sei es aus Gründen der Infrastruktur (z.B. Toiletten, Garderoben etc.) oder aufgrund gewisser Erwartungshaltungen seitens der Kundschaft.

Die geschlechts-atypische Berufswahl bedeutet heute noch, gegen den Strom zu schwimmen. Wer einen «untypischen» Beruf lernen will, braucht ein starkes Selbstbewusstsein. Aber zum Glück beweisen schon einige Mädchen, Jungs und Lehrbetriebe, dass es funktioniert. In jedem Fall braucht es die Offenheit aller Player und natürlich die Verabschiedung stereotyper Rollenbilder in der Gesellschaft. Doch machen wir uns nichts vor. Der wichtigste Faktor in der Berufswahl bleiben die persönlichen Interessen. Die sind halt teilweise einfach vom Geschlecht abhängig

Autor: Martin Bollhalder, Leiter Berufs- und Bildungsinformation St. Gallen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.