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Ein Berufsabschluss ist für den Jugendlichen und die Gesellschaft wichtig

Das Bundesamt für Statistik publizierte Ende Mai 2018 eine Untersuchung zu den Bildungsverläufen von Jugendlichen in der Sekundarstufe II. Es hat sich gezeigt, dass die Nationalität sowie der Bildungsstand der Eltern beeinflussende Faktoren darstellen für den erfolgreichen Berufsabschluss.

Die Untersuchung hat Jugendliche einbezogen, die im Schuljahr 2011/12 in die Sekundarstufe II eingetreten sind. Ihr Bildungsverlauf wurde bis 2016 verfolgt. Dabei war von Interesse, wie die Ausbildungszeit bei den Jugendlichen verläuft, was nach einem kritischen Ereignis passiert oder wie viele einen Lehrvertrag auflösten. Die Ergebnisse der Studie sind nicht sehr erstaunlich. So sind zum Beispiel positiv beeinflussende Faktoren wie Geschlecht, Nationalität und Bildungsstand der Eltern auch aus anderen Untersuchungen bekannt. Aufgrund der Ergebnisse kann man schliessen, dass weibliche Schweizerinnen mit mindestens einem Elternteil mit Tertiärabschluss die grössten Chancen haben, eine Ausbildung ohne Unterbruch zu absolvieren. Sollte es aber doch zu einem Lehrabbruch kommen, so ist bei dieser Gruppe die Chance am grössten, dass die jungen Frauen zurück ins Bildungssystem finden und dort reüssieren. Männliche, im Ausland geborene Jugendliche mit ausländischer Nationalität und Eltern ohne Bildungshintergrund auf Tertiärstufen, sind dem gegenüber am höchsten gefährdet, keinen Abschluss zu erreichen bzw. nach einem Lehrabbruch nicht mehr ins Bildungssystem zu finden.

Erfreulich ist die hohe Zahl erfolgreicher Abschlüsse. 90 Prozent der Jugendlichen erreichen einen Abschluss. Dieser Wert ist allerdings noch unter dem Ziel, das 2006 bei der Einführung des Case Managements seitens der Politik gesetzt wurde. Demnach sollten längerfristig 95 Prozent der Jugendlichen einen Abschluss erreichen. Ohne mich hier auf konkrete Zahlen zu stützen, gehe ich davon aus, dass dieser Wert im Vergleich zum Ausland sehr hoch ist. Er ist bestimmt auch ein Grund für die geringe Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Vergleich zum Ausland. Ebenfalls positiv beurteile ich, dass 82% der Lernenden mit einer Lehrvertragsauflösung wieder eine zertifizierende Ausbildung aufnehmen. Dies kann so gedeutet werden, dass nach einem Lehrabbruch nicht alles verloren ist, sondern die meisten Jugendlichen eine Anschlusslösung angehen können.

Um diese guten Ergebnisse in der Gesamtschau der Bildungsverläufe weiterhin zu erreichen oder – wie als Ziel definiert – gar noch zu verbessern, ist das Engagement von allen in der beruflichen Bildung Tätigen wichtig. Hinter jedem erfolgreichen Abschluss steht eine jugendliche Person, die gut gerüstet die berufliche Zukunft angehen kann. Diese Chance ist für Jugendliche ohne Berufsabschluss kleiner. Die Gefahr, im Beruf und in der Folge auch im Privatleben zu reüssieren, ist dadurch höher. Dies kann obendrein negative Folgen für unsere Gesellschaft bzw. unser Sozialsystem haben. Der Einsatz und das Engagement in der Berufsbildung ist somit ein sehr wichtiger Beitrag zur Stabilität unserer Gesellschaft.
Autor: Dr. phil. Gregor Thurnherr

Die wichtigsten Zahlen im Detail:
− 90% der Jugendlichen haben innerhalb von fünf Jahren einen entsprechenden Abschluss erworben.
− Die Erfolgsquote ist bei Frauen (92%) 5 Prozentpunkte höher als bei Männern (87%).
− 91% der in der Schweiz geborenen Lernenden schlossen ihre Ausbildung innerhalb von fünf Jahren ab. Das sind rund 10 Prozentpunkte mehr als bei den im Ausland geborenen Lernenden (81%) und 7 Prozentpunkte mehr als bei den in der Schweiz geborenen ausländischen Lernenden (84%).
− Bei Lernenden aus Haushalten, in denen mindestens ein Elternteil über einen Tertiärabschluss verfügt, ist die Erfolgsquote insgesamt 10 Prozentpunkte höher als bei Lernenden aus Haushalten mit Eltern ohne obligatorischen Abschluss.
− 77% der Frauen machten ihren Abschluss, ohne ein Jahr zu verlieren, während sich dieser Anteil bei den Männern auf 69% beläuft.
− 7% der untersuchten Lernenden traten aus dem Bildungssystem mit einer Dauer von mindestens einem Jahr aus.
− 68% der im ersten Programmjahr ausgetretenen Lernenden kehrten ins Bildungssystem zurück, 39% erlangten anschliessend (bis 2015) einen Abschluss der Sekundarstufe II.
− Rund die Hälfte der Lernenden, die 2012 ihre Ausbildung abgebrochen haben und nicht ins Bildungssystem zurückgekehrt sind, waren 2015 erwerbstätig.
− 21% der Ausbildungsanfängerinnen und -anfänger in der beruflichen Grundbildung von 2011 haben mindestens eine Lehrvertragsauflösung hinter sich. 82% von ihnen setzten die berufliche Grundbildung fort. In den meisten Fällen erfolgte der Wiedereinstieg weniger als ein Jahr nach dem Abbruch.

Die Studie finden Sie unter diesem Link.

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