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Chef, so bekommst du meine Motivation!

Motivation ist mehr als ein Mythos. Traut man den Lernenden etwas zu und lässt sie eigene Projekte verwirklichen, fördert das ihre Motivation. Dabei ist wichtig, sich ihrer Probleme bewusst zu sein. Dadurch wird der Alltag für beide Seiten wesentlich angenehmer.

Wie steht es um die Motivation der Lernenden während der beruflichen Grundbildung? Das wollten wir von Berufsbildnern und HR-Verantwortlichen wissen. Für Peter Heiniger von der Heiniger Lehrlingsberatung sind die ersten drei Monate entscheidend: Schafft es der Lehrbetrieb, die meist sehr hohe Motivation des Lernenden aufrechtzuerhalten? Wird er gleich zu Beginn dem Druck, den neuen Kollegen und Aufträgen ausgesetzt oder durch eine sanftere Einführung abgeholt? Heiniger empfiehlt:

– Einen Einführungsplan zu erstellen, in dem die Beschäftigung der kommenden paar Wochen vermerkt ist, darunter auch eine Standortbestimmung oder Zielvereinbarungsgespräche.
– Dem Lernenden eine Vertrauensperson zur Seite zu stellen, an die er sich bei Fragen und Problemen wenden kann.
– Nicht gleich mit der Praxis zu beginnen, sondern zuerst die Möglichkeit geben, dass Team und die Firmenkultur kennenzulernen.
– Auch Schlüsselpersonen sind wichtig. Diese gelten meist als Vorbilder und Vorbilder sind essenziell in der Ausbildung von Jugendlichen.

Heiniger betont, dass es nicht darum gehe, die Lernenden zu verwöhnen, aber man müsse ihnen die Möglichkeit geben, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden. Gleichzeitig ist er der Ansicht, dass viele Lehrbetriebe ihre Benefits zu wenig offensiv kommunizierten. Prämien für gute Arbeiten zum Beispiel sollten schon beim Einführungsprozess mitgeteilt werden, damit die Lernenden diesen Motivationsfaktor innehaben und sich für leistungsbezogene Vorteile von Beginn weg anstrengen.

Cornelia Suter, Berufsbildnerin bei der AXA Winterthur, sieht die Herausforderung in der Summe: Hobbys, der Eintritt in die Erwachsenenwelt und die entsprechende Anpassung im Berufsalltag – all das müssten die Lernenden unter einen Hut bringen, was Organisation und Priorisieren unabdingbar mache. Urs Deubelbeiss vom GGZ Gartenbau betreut in seinem Betrieb neun Lernende und macht sehr gute Erfahrungen mit Lehrlingslagern, Lernbaustellen, in denen die Lernenden die volle Führung und Verantwortung tragen sowie Anlässe, die sie selbst organisieren. Auch Lehrlingslager kommen gut an. Probleme sieht er, wie Suter, in der Entwicklungsphase, in der die Lernenden stecken, aber insgesamt erlebt er die Lernenden als sehr motiviert.

Mein Fazit aus den Interviews, die ich mit Berufsbildnern geführt habe, lautet wie folgt: Motivieren ist mehr als nur ein Mythos. Man braucht den Lernenden nur etwas Entscheidendes zu bieten, wie eine schrittweise Einführung, Vertrauen, konkrete Projekte und Aufgaben für die Selbstwirksamkeit oder Lehrlingslager, um mit anderen Lernenden in Kontakt zu kommen.

Autor: Laurent Kerbage

Laurent Kerbage bietet Lernenden fachliche Unterstützung im KV oder in der Berufsschule und arbeitet mit diversen Lehrbetrieben zusammen, www.tutorat.ch.

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