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Berufsbildner müssen auffälliges Verhalten ansprechen

Laut Seco leiden 10 bis 20 Prozent aller Jugendlichen in der Schweiz unter einer psychischen Erkrankung. Zudem geben die 15- bis 24-jährigen Erwerbstätigen im Vergleich zu anderen Altersgruppen an, überdurchschnittlich häufig gestresst zu sein. ZEPRA rät den Lehrbetrieben, bei Lernenden früh hinzuschauen und zu handeln.

Gute Arbeitsbedingungen sind wesentliche Faktoren für die Gesundheit von Lernenden. Denn Jugendliche erleben die gesamte Lehrzeit oder zumindest den Beginn als komplexe Situation – häufig begleitet von Unsicherheiten. Dem Lehrbetrieb kommt deshalb, gemeinsam mit Berufsschule und Eltern, eine besondere Verantwortung zu. Sie bereiten Lernende nicht nur auf ihren künftigen Beruf vor, sie begleiten sie auch auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Und oft sind sie es, denen psychische Probleme ihrer Lernenden früh auffallen.

Psychische Probleme zeigen sich im Betrieb vielfach im zwischenmenschlichen Kontakt, im Arbeitsverhalten oder bei der Leistung – unabhängig davon, ob es sich um Jugendliche oder Erwachsene handelt. Der ausbildungsverantwortlichen Person fällt auf, dass «etwas nicht mehr stimmt». Vielleicht lässt sich nicht mal genau benennen, was – und trotzdem führt das Verhalten zu Irritationen. In diesem Fall ist es gut möglich, dass der oder die Lernende psychische Probleme hat. Frühwarnzeichen können sich wie folgt zeigen:

– Abweichungen im Sozialverhalten
z.B. erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Kritik, Distanzlosigkeit, Rückzug, Misstrauen
– Abweichungen in der Arbeitsleistung 
z.B. Leistungsschwankungen, Häufung von Fehlern, Konzentrationsschwierigkeiten
– Abweichungen in der Stimmungslage 
z.B. leicht reizbar, aggressiv, traurig, unruhig, angespannt, resignativ
– Sonstige Auffälligkeiten 
z.B. Klagen über Schlaflosigkeit, Vernachlässigung von Körperpflege, Selbstgespräche

Ausbildungsverantwortliche sind oft unsicher, wie psychische Auffälligkeiten angesprochen werden sollen. Schlimmstenfalls warten sie, bis die Situation eskaliert. Wir vom Amt für Gesundheitsvorsorge des Kantons St.Gallen, Abteilung ZEPRA, empfehlen Ihnen, früh hinzuschauen und zu handeln. Die frühzeitige Erkennung von psychischen Erkrankungen und eine angemessene Intervention begünstigen einen positiven Verlauf der Erkrankung. Es verhindert nicht nur Konflikte, Folgekosten oder gar einen Lehrabbruch, es erspart den Betroffenen und ihrem Umfeld auch persönliches Leid.

Autor: Annette Nitsche; Fachstelle Betriebliche Gesundheitsförderung, ZEPRA St. Gallen

Friendly Work Space Apprentice
Die Website der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz bietet Berufsbildungsverantwortlichen konkrete Unterstützung bei «Psychische Gesundheit von Jugendlichen bei der Arbeit». Sie finden u.a. Praxisbeispiele, Checklisten, Ideen sowie Informationen und Fakten: www.fws-apprentice.ch

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